Theoretischer Zugang

Theoretischer Zugang

Beobachtung einer Lehr-Lern-Situation im Didaktischen Labor (Foto: Universität Passau)

Kompetenzorientierung

Kompetenzorientierte Lehrerbildung geht von der Annahme aus, dass die professionellen Fähigkeiten und Fertigkeiten von erfolgreichen Lehrpersonen grundsätzlich lehr- und lernbar sind. Neben den persönlichkeitsbezogenen Aspekten wie Werteinstellungen oder Überzeugungen nimmt die Kompetenzdimension des professionellen Wissens deshalb eine zentrale Position ein. Wissenschaftlich fundiertes domänenspezifisches Wissen in den Bereichen Fachwissenschaft, Fachdidaktik und den Bildungswissenschaften ist von großer Bedeutung für professionelles Handeln.

Lehren als Beruf

Fragen nach der professionellen Wissensbasis von Lehrkräften stehen im theoretischen Zentrum von SKILL. Die Besonderheit professionellen Lehrerhandelns ist, unter anderem, dass es durch Unstrukturiertheit und Unsicherheit geprägt ist: Die sich ständig ändernde und neu zu interpretierende Unterrichtssituation erfordert die Verknüpfung von fachlichen, fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Wissensbeständen. In der Lehrerbildung werden sie jedoch nach wie vor strukturell getrennt in unabhängigen Disziplinen gelehrt. Man geht davon aus, dass Lehrpersonen parallel über zwei Formen handlungsvorbereitender Kognitionen verfügen: Neben expliziten Wissensbeständen wird offenbar implizites, stark verdichtetes Erfahrungswissen wirksam.

Moderne Lehr-Lern-Formen

Lehramtsstudierenden fällt es oft schwer, das in der Hochschule erworbene Wissen didaktisch zu 'wenden'. Dieser Umstand wird durch die Diskrepanz zwischen dozierendenzentrierter universitärer Lehre und den Ansprüchen eines modernen schülerorientierten Unterrichts verstärkt: Die erlebte Kontinuität in den Lernerfahrungen führt zur Entwicklung von Überzeugungen und Einstellungen über Lehren und Lernen: Es scheint Lernen wäre reine 'Transmission' von Wissen. Diese Wahrnehmung kann oft selbst durch dazu im Widerspruch stehende, wissenschaftliche Forschungsbefunde nicht gebrochen werden. Es fehlt an Gelegenheiten, sich bereits in der Hochschullehre an professionell gestalteten Lehr-Lernsituationen erproben zu können. Zusätzlich führt dieses weitgehende Fehlen einer Lehre, die sich – insbesondere in den Fachwissenschaften – an der angesprochenen Besonderheit des Lehrerwissens orientiert, zu einer Marginalisierung von Lehramtsstudierenden.

Beratung und Qualitätsentwicklung

Auch besondere Beratungsbedarfe Lehramtsstudierender finden in bestehenden Beratungsstrukturen wegen Zuständigkeitsdiffusion oft nicht die passende Ansprechperson. Qualitätsentwicklung in der Lehrerbildung wird daher durch Maßnahmen angestrebt, die sich auf interdisziplinäre und überfachliche, professionsbezogene Kompetenzerwerbsprozesse sowie auf strukturverbessernde Maßnahmen beziehen.

Literaturauswahl zum theoretischen Zugang von SKILL

Baumert, J. & Kunter, M. (2011). Das mathematische Wissen von Lehrkräften, kognitive Aktivierung im Unterricht und Lernfortschritte von Schülerinnen und Schülern. In M. Kunter, J., Baumert, W. Blum, U. Klusmann, S. Krauss & M. Neubrand (Hrsg.), Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV (S. 163-192). Münster: Waxmann.

Blömeke, S. (2004). Empirische Befunde zur Wirksamkeit der Lehrerbildung. In S. Blömeke, P. Reinhold, G. Tulodziecki, & J. Wildt (Hrsg.), Handbuch Lehrerbildung (S. 59-91). Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt.

Blömeke, S. (2006). Voraussetzungen bei der Lehrperson. In K.-H. Arnold, U. Sandfuchs & J. Wiechmann (Hrsg.), Handbuch Unterricht (S. 162-167). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Blömeke, S., Eichler, D. & Müller, C. (2003). Rekonstruktion kognitiver Strukturen von Lehrpersonen als Herausforderung für die empirische Unterrichtsforschung. Unterrichtswissenschaft, 31 (2), S. 103-121.

Brunner, M., Anders, Y., Hachfeld, A. & Krauss, S. (2011). Diagnostische Fähigkeiten von Mathematiklehrkräften. In M. Kunter, J. Baumert, W. Blum, U. Klusmann, S. Krauss & M. Neubrand (Hrsg.), Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV (S. 215-234). Münster: Waxmann.

Krauss, S. (2011). Das Experten-Paradigma in der Forschung zum Lehrerberuf. In E. Terhart, H. Bennewitz & M. Rothland (Hrsg.), Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf (S. 171-191). Münster: Waxmann.

Kurtz, T. (2009). Professionalität aus soziologischer Perspektive. In O. Zlatkin-Troitschanskaia, K. Beck, D. Sembill, R. Nickolaus & R. Mulder (Hrsg.), Lehrprofessionalität. Bedingungen, Genese, Wirkungen und ihre Messung (S. 45-54). Weinheim: Beltz.

Neuweg, G. H. (2011). Das Wissen der Wissensvermittler. Problemstellungen, Befunde und Perspektiven der Forschung zum Lehrerwissen. In E. Terhart, H. Bennewitz & M. Rothland (Hrsg.), Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf (S. 451-477). Münster: Waxmann.

Seifried, J. (2008). Dem Lernen Raum geben: Welche Faktoren stehen der Realisierung von schülerorientierten Lehr-Lern-Arrangements im Weg? In J. Warwas (Hg.), Zeitgemäße Führung - zeitgemäßer Unterricht (S. 207-218). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Weyand, B. (2010). Laufbahnberatung und Reflexion der eigenen Berufseignung - Bedarf und Bedürfnis. In Jürgen Abel & Gabriele Faust (Hrsg.), Wirkt Lehrerbildung? (S. 195-204) Münster: Waxmann.

Voss, T. & Kunter, M. (2011). Pädagogisch-psychologisches Wissen von Lehrkräften. In M. Kunter, J. Baumert, W. Blum, U. Klusmann, S. Krauss & M. Neubrand (Hrsg.), Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV (S. 193-214). Münster: Waxmann.